Neulich erhielt ich eine Kurznachricht: “Elidea, bitte melde dich. Es ist wichtig!”
Ein Freund mit dem ich im Grunde kaum Kontakt hab. Nicht, weil er mir egal wär! Sondern schlicht und ergreifen, weil wir in unterschiedlichen Welten leben.
Trotz allem hör ich ihm zu, wenn er meine Hilfe braucht. Also rief ich ihn an! Zunächst Smalltalk; wie geht es dir? BlaBla! Doch ich merkte gleich das was nicht stimmte. Er zögerte die ganze Zeit das hinaus weswegen er sich eigentlich bei mir gemeldet hatte. Ich dachte anfangs es ginge um seine Mutter, dass sie wieder krank wär oder ähnliches. Doch dann stellte er mir eine Frage:
“Wäre die Welt ohne mich nicht besser dran?”
Das war keine Frage eines Jünglings der sich bloß an der Philosophie probierte. Das war eines Mannes der es ernst meinte. Es war auch keine Frage eines Heranwachsenden, der die Welt und erst recht sich selbst vor lauter Hormonen nicht mehr verstand. Nein, dass war eine Frage eines Mannes, der keinen anderen Ausweg mehr sah.
Ich brauchte erst nicht zu Fragen wieso? Ich wusste es! Auf seiner imaginären Pro und Contra stand auf der Contra-Seite lediglich seine Eltern. abgeschwächt noch mit einer Tatsache: “Sie haben ihr Leben schon gelebt!”
Nicht von der Hand zu weisen!
Wäre die Welt ohne mich nicht besser dran? Tatsache ist; der Welt ist es scheiß egal ob du lebst oder nicht!!! Sie dreht weiterhin ihre Runden, sorgt auch weiterhin für Frühling, Sommer Herbst und Winter, (und noch nicht mal in dieser Reihenfolge) wie sonst auch!
Genau das hab ich ihm auch gesagt. Zu dem Zeitpunkt lag er im Krankenhaus. Erster Herzinfarkt! Mit nicht mal 40! Da ist es nicht verwunderlich, wenn man sein Leben Revue passieren lässt. Und in seinem Fall auch nicht verwunderlich, wenn er verstärkt dabei an den Tod denkt.
Nun, wie hilft man einem gefährdeten Selbstmörder? In dem man ihm die Augen öffnet. Dabei mein ich nicht den Scheiß von wegen: “Hey das Leben ist doch super, blabla!”
Tatsachen müssen her: “Du hast scheiß Freunde! Um genau zu sein sind es nichts weiter als Saufkumpanen, oder hat dir je einer zugehört und dich ernst genommen? Zweitens ist dein Haus wunderschön, aber was bringt es dir, dort allein zu wohnen? Drittens, deine Arbeit, die du ja so heilig als einzigen Anker in diesem Leben hält, hat dir doch diesen Infarkt verpasst! Was willst du mit so menschenunfreundlichen Arschlöchern noch? Es geht nicht um die Frage: Sein oder nicht Sein! Sondern um die Frage, willst weiterhin so dahin vegetieren wie bisher oder zeigst du allen endlich den Mittelfinger und verlässt diese Stadt um wo anders neu anzufangen?! Was hast du denn zu verlieren?! Halbtod bist du sowieso!!!!”
Seit dem erreich ich ihn nicht mehr! Ich weiß nicht ob er erst darüber nachdenken muss, oder sich bereits entschieden hat oder vielleicht nen zweiten Infarkt hat. Denn klar ist in seiner derzeitigen Lage, wird das auch nicht lange auf sich warten lassen.
Doch das traurigste an der ganzen Sache ist, dass ich es nie erfahren werde! Sollte er gestorben sein, werd’ ich es nicht wissen. Unabhängig davon ob Selbstmord oder Infarkt! Niemand gibt es der mich informieren würde! Obwohl ich die letzte Person bin bei der er sich meldet, wenn er Probleme hat.
Noch schlimmer ist aber die Tatsache, dass alle seine sogenannten Freunde vor seinem Grab stehen würden und sich fragen würden wieso! Weil ihr nicht zugehört habt, ihr Arschlöcher!!!


